China im Jahr 1900 – genauer: Chinas Pazifikküste.
Die Flotten der geschmiedeten Allianz zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen und kolonialen Interessen waren formiert. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und Deutschland kooperierten friedlich zusammen, um chinesischen Aufständischen („Boxeraufstand“) ihre Macht zu demonstrieren.
Man musste einen Zugang in die chinesische Haupstadt finden. Als günstigste Variante erwies sich der Weg über die Flussmündung des Peiho, um dann auf dem Landweg – teilweise mit der Eisenbahn – schließlich bis nach Peking zu gelangen.
Den Weg der Landtruppen – die sich zum Teil auch aus Kontingenten der Schiffsbesatzungen zusammensetzten – zur chinesischen Metropole, schilderten wir bereits in SMS-Nr. 194 Kreuzer „Hertha”.
Die Route über den Fluss wurde massiv durch einen Festungskomplex – den Taku-Forts – blockiert. Diese galt es, von der Flussseite unter Druck zu setzen, um den Landtruppen, die an beiden Ufern entlang marschierten, den Zugang zu erleichtern.
Die seichte Mündung des Peiho-Flusses ließ allerdings den Einsatz großer, kampfstarker Schiffseinheiten nicht zu. Deshalb formierten Großbritannien, Frankreich, Japan, Russland und Deutschland eine kleine Flotte wendiger – damals moderner – Kanonenboote.
Dass sie jedoch auf derart heftigen Widerstand stießen – damit hatte niemand rechnen können. Die Chinesen schossen mit allem, was irgendwie explodierte: von modernsten Schnellfeuergeschützen bis hin zu mittelalterlichen Luntenrohren, die noch mit Eisenkugeln beschickt wurden. Und das von beiden Uferseiten aus. Es lagen zwar auch hochmoderne chinesische Torpedoboote in der Peiho-Mündung (die auf der gleichen Werft gebaut waren, wie „Iltis II“), die aber nicht zum Einsatz kamen.
„Iltis II“ – also das Kanonenboot der Deutschen – bekam davon den Großteil der chinesischen Salven zu spüren, aber gegen die Bewaffnung, Taktik und Panzerung der Boote blieben die Chinesen dennoch relativ chancenlos.
Immerhin konnte „Iltis II“ einen ganz besonderen Erfolg verbuchen: das Kanonenboot war und ist das einzige deutsche Schiff, das von seinem Staatsoberhaupt mit einem Orden („Pour le mérite“) ausgezeichnet wurde. Nach damaligem patriotischen Denken, wohl das Beste, was einem Schiff und seiner Mannschaft widerfahren konnte – ungeachtet der Toten und Verletzten.
Dies ist das vorausichtlich letzte Heft im Rahmen unserer kleinen Reihe über die Aktivitäten der Kaiserlichen Flotte in Ostasien. (Nr. 194 – „Hertha“; 202 – „Kiautschou“; 209 – „Cormoran“).