Der Einsatz der Handelstörkreuzer, – auch Hilfskreuzer – genannt, war und ist nach wie vor umstritten. Tatsache ist, dass sämtliche kriegsführenden, seefahrenden Nationen dieses vermeintlich strategische Konzept genutzt haben, um zum einen den Überseehandel der jeweiligen Gegner empfindlich zu treffen, oder um dessen Kampfverbände weitab der Hauptschauplätze zu binden, zum anderen, um die Kommunikation zu verwirren. In den wenigsten Fällen ging es darum, die Güter der anderen zu erbeuten, um sie selbst nutzen zu können – dies galt höchtens als ein willkommener Nebeneffekt.
Dabei lief die Vorgehensweise fast immer nach dem selben Schema ab: dem Gegner als harmloser Händler gegenüber zu erscheinen, dann die Tarnung fallen lassen, um daraufhin zuzuschlagen und zwar im Sinne von Versenkung, Kaperung oder eben nur, um „Beute“ und Gefangene zu machen. Die wenigsten der betroffenen Schiffe wurden der eigenen Flotte einverleibt oder gar unversehrt nach Hause geschickt. Was übrig blieb, waren unzählige Wracks auf den Gründen der Weltmeere.
Um solche Einsätze fahren zu können, musste ein äußerlich harmloses Handelsschiff über ein bestimmtes hochwertiges technisches „Innenleben“ verfügen. Es musste schnell und ausdauernd sein, lange auf See bleiben können, viel Stauraum bieten und natürlich waffentechnisch auf dem neuesten Stand sein. So stand der Hilfskreuzer „Widder“ in dieser Hinsicht einem gleichwertigen Kriegsschiff in nichts nach.
Doch maschinentechnisch war er hoffnungslos veraltet. Die mit Öl beheizten Dampfkesselmaschinen nahmen zuviel Raum ein, verbrauchten zuviel Treibstoff (was den Aktionsradius erheblich einschränkte), waren nicht standfest genug und ständiger Störungsquell. Die schon damals hochentwickelten Dieselaggregate wären da eine bessere Lösung gewesen. So kam es, dass der Hilfskreuzer Widder schlicht und einfach wegen technischer Mängel, die nie auszumerzen waren, aus dem militärischen Dienst wieder herausgezogen wurde, ohne je einen Treffer erhalten zu haben.
Allerdings konnte Kommandant von Ruckteschell für diese kurze Einsatzzeit eine gute „Beutebilanz“ vorweisen.
Was sich nach dem Krieg rächen sollte...
Denn – wie so oft in solchen grausigen Zeiten – das Schicksal der Menschen stand bei all’ den schönen strategischen Überlegungen hinten an.