Ausgabe Nr.210 Zerstörer Z 20

Rüstungsmäßig war die Deutsche Kriegsmarine auf den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht vorbereitet. Während die Reichsmarine im Rahmen des Versailler Friedensdiktates systematisch und sinnvoll Panzerschiffe, Leichte Kreuzer und Torpedoboote baute und entwickelte, waren die Rüstungsanstrengungen nach der Machtergreifung Adolf Hitlers konfus und überhastet. Lediglich die U-Boote und Schlachtschiffe erwiesen sich später allen Erwartungen gewachsen. Besonders tragisch war die Entwicklung im Zerstörerbau. Die ersten 16 Bauten des Types 1934 und 1934 A waren, wenn man scharf urteilen will, unbrauchbar, weil ihre Maschinenanlage häufig zusammenbrach. Erst der Folgetyp „1936“ hatte eine etwas zuverlässigere Antriebsanlage. Von der Klasse wurden nur sechs Boote gebaut. Fünf von ihnen gingen frühzeitig beim Unternehmen „Weserübung“ in Narvik verloren. Nach Narvik besaß die Kriegsmarine nur noch zehn Zerstörer. Der Verlust dieser Narvik-Boote ist von britischer Seite auf die mangelnde Entschlussfreudigkeit des dort befehlsführenden Flottillenchefs Erich „Achmed“ Bey zurückgeführt worden („Whitley“ und „Dickens“). Tatsächlich hat die Zerstörerwaffe sich zahlenmäßig von diesem Verlust während des Krieges nicht mehr erholen können.

In der Reihe Schiffe-Menschen-Schicksale soll in loser Folge ein Überblick über die Entwicklung der im Zweiten Weltkrieg eingesetzten deutschen Zerstörer gegeben werden. So wurde im Heft 165 der Typ „Zerstörer 1934“ mit dem Boot „Z 2 Georg Thiele“ vorgestellt. Schwerpunkt waren die Ereignisse im Kampf um Narvik aus deutscher Sicht. Heft 186 behandelte den leicht verbesserten Typ „Zerstörer 1934 A“ beispielhaft am Schicksal des Zerstörers „Z 7 Hermann Schoemann“. Hier bildeten die Kämpfe in der Kriegsmitte im Eismeer den Schwerpunkt der Aktivitäten der Kriegsmarine, bei dem das Boot auch verloren ging.
Der Zerstörer 1936, „Z 20 Karl Galster“ hat dagegen sehr viel Zeit in der Werft zugebracht und daher auch wenig spektakuläre Gefechte mitgemacht. Reparaturarbeiten bewahrten „Z 20 Karl Galster“ auch vor der Teilnahme an den frühen verlustträchtigen Unternehmen „Wikinger“ und „Weserübung“. Später verhinderte ein Werftaufenthalt auch die Teilnahme an dem unglücklichen Gefecht in der Silvesternacht 1942 gegen den Geleitzug „JW 51 B“. Nur an einem einzigen Großunternehmen war der Zerstörer beteiligt: dem Unternehmen „Sizilien“ gegen die norwegische Insel Spitzbergen. Das Boot überlebte den Krieg und wurde schließlich russische Kriegsbeute.

Zu einem späteren Zeitpunkt sollen beispielhaft auch die Zerstörerklassen „Zerstörer 1936 A“, „Zerstörer 1936 A mob“ und schließlich „Zerstörer 1936 B“ beschrieben werden. Hiermit ergeht die Bitte der Redaktion an die Leserschaft, Zeitzeugen ausfindig zu machen, die auf den Zerstörern der drei noch nicht beschriebenen Zerstörerklassen gefahren sind.

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