Im Jahr 1900 tobte in China der „Boxer“-Aufstand. Es war eine Auflehnung der chinesischen Bevölkerung gegen die „weißen Teufel“, die europäischen und amerikanischen Kaufleute und Ingenieure, die sich um die wirtschaftliche Erschließung des „Reichs der Mitte“ bemühten, gegen die Missionare, gegen das Kolonialsystem, das auf China überzugreifen drohte. Kurz: ein Aufstand gegen das europäische, nordamerikanische und japanische imperialistische System (wobei
„Aufstand“ nicht die richtige Wortwahl ist, denn schließlich unterstützten die „Aufständischen“ ausdrücklich die chinesische Regierung – „Boxerkrieg“ mag da treffender erscheinen). Der junge Kaiser von China, Guangxu, war den Fremden zugeneigt, war aber machtlos. Die tatsächliche Herrschaft lag in den Händen seiner Tante und Adoptivmutter, der Kaiserin Cixi, und diese Regentin unterstützte,
zunächst heimlich, dann auch offen, die Freiheitskämpfer, die „Boxer“ also, wie sie von den Engländern genannt wurden, weil sie in ihren Geheimbünden auch traditionelle chinesische Kampfsportarten pflegten und sich „Bund der roten Faust“ nannten. Der Aufstand begann im April und Mai 1900 im Inneren Chinas mit einem
Angriff auf chinesische Christen – die Europäer und Amerikaner flohen zur Küste.
Im Juni zeichnete sich immer mehr eine bevorstehender Attacke auf die weißen Diplomaten in Peking ab. Die Flotten der Großmächte, die vor der chinesischen Küste kreuzten, schickten einige Truppenkontingente zur Verteidigung des Gesandtschaftsviertels in die chinesische Hauptstadt. Doch dann überstürzten sich die Ereignisse: Es wurde nötig, größere Gegenmaßnahmen einzuleiten. Und die Folge war der berühmte Marsch des britischen Admirals Seymour mit 2.000 „weißen“ und japanischen Seeleuten von Tientsin auf Peking. Der Marsch, an dem auch 500 Deutsche beteiligt waren und auf dem der Befehl erscholl: „The Germans to the front – die Deutschen an die Front!“ Dieser Befehl ist Bestandteil einer Legende geworden - der Legende, als ob die Rettung der Diplomaten allein den Deutschen zu verdanken wäre. So war es in Wirklichkeit nicht. Aber die deutschen Marine-Truppen hatten sich auf diesem Marsch dennoch so ausgezeichnet, dass
der Chinakrieg 1900 Erwähnung in der Reihe „Schiffe-Menschen-Schicksale“ verdient. Eine weitere Ausgabe zu dieser Thematik (SM Kanonenboot „Iltis“ II)
ist in Vorbereitung…