Ausgabe Nr.185 S-Boote

“Windhunde der See", “Moskitos", “Weiße Scbwäne", solche und ähnliche
Überschriften und Redewendungen tauchen immer wieder in den Nachkriegs-berichten über die deutsche Schnellbootwaffe auf. Selten ist mehr Unsinn über eine Waffengattung der deutschen Kriegsmarine geschrieben worden. Allein der Gebrauch der obigen Worte beweist, wie herzlich wenig der oder die betreffenden Schreiber wirklich über die Schnellbootwaffe weiß oder wissen. Teilweise liegt es zugegebenermaßen auch daran, dass Details gerade über den Schnellbootkrieg lange sowohl bei Engländern als auch bei Amerikaner geheime Verschlusssache waren. Ohne diese genauen Unterlagen konnte über die Schnellboote, deren Aufgaben und Einsätze sehr umfassend waren, insgesamt kein in sich abgerun-detes Bild vermittelt werden. So spuken in den Köpfen dieser Autoren auch heute noch als Vorbilder die Vorgänger der Schnellboote aus der Kaiserzeit, die Torpedoboote herum. Schon diesen wurde nach dem Ersten Weltkrieg bitter Unrecht getan - stets waren sie “die Husaren zur See", die dann meist noch von “drahtigen Stabsoffizieren in schneeweißen Uniformjacken" geführt wurden - ein Zeichen dafür, wie wenig schon damals den Leistungen der Torpedobootfahrer und der Wirklichkeit Rechnung getragen wurde. Leider ist es heute immernoch nicht anders. Es hieße, den verdammenswerten Krieg obendrein noch vernied- lichen, wollte man Ausdrücke aus dem Sandkastenkriegsspiel, wie “Schnellboote vor!" “Torpedo los!" widerspruchslos hinnehmen. Sicher gab es zu Beginn des
Schnellbootkrieges Zeiten, die in Manchem den Vorstellungen dieser Schriftsteller entsprachen. Aber allein die Menschenverluste bei diesen Kampfhandlungen auf den “Schnellbootspielwiesen", wie die Operationsplätze vor Ymuiden, den Humber und Wash und natürlich das Schwarze Meer, von Freund und Feind genannt wurden, verbieten es, von einem “frisch-fröhlichen Krieg" zu sprechen, nie und schon gar nicht in der nachtgrauen Abwehrfront der Jahre 1942-1945, in der die Schnellbootfahrer gemeinsam mit ihren Mitstreitern auf den U-Booten, den Räumbooten, den Artillerieträgern und Vorpostenbooten in einem verzweifelten und hoffnungslosen Kampf standen. Ehrentitel wie “Windhunde der See" und “Schwäne" sind da völlig fehl am Platz. Treffend sagte das einmal der Chef der 8. A.-Trägerflottille, Korvettenkapitän Muser, vor einem Einsatz: “Na, da wären wir Kanalarbeiter ja wieder mal alle beisammen!" Besser ließen sich die kleinen und kleinsten Schiffs- und Bootseinheiten nicht bezeichnen (auch, wenn diesen “Titel"
eigentlich die Torpedobootfahrer für sich beanspruchten)! Sie machten die
“Drecksarbeit" in vorderster Front und das nicht nur im Englischen Kanal...







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