Ausgabe Nr.170 Frachter „Luise Leonhardt “

“Nordsee ist Mordsee“ heisst es unter Seeleuten.
Allein schon in der Deutschen Bucht, der Elbmündung und dort am Großen
Vogelsand kann die See von einem Augenblick auf den anderen derartige
Urgewalten entfesseln, dass sich ihnen keine Art von Schiff ­ groß, klein,
altertümlich oder modern ­ auch nur im Geringsten widersetzen kann. Trotz
modernster Navigationstechnik, ausgeklügelter Wettervorhersagen oder bester
nautischer Fähigkeiten ­ den Wetterkräften ist niemand gewachsen. Sie
schlagen urplötzlich und unbarmherzig zu und können ein Schiff mit Mann und
Maus in kürzester Zeit auf den Meeresboden schicken.
Die zwei hier geschilderten Schiffsschicksale mögen dafür als Beispiel
dienen ­ Schiffe, wie sie unterschiedlicher nicht sein können:
Das eine, ein ganz normaler Tramp-Frachter, der schon alle Weltmeere gesehen hatte, mit einer erfahrenen, eingespielten Crew und einem alten Seebär als Kapitän, der jedoch unter Termindruck stand und Fehlentscheidungen fällte,
die ihnen zum Verhängnis wurden.
Das andere war ein Signalschiff -ein sogenanntes “Feuerschiff“, das keine
andere Aufgabe hatte, als ein- und ausfahrenden Schiffen in der Elbmündung
den Weg zu weisen - mit armdicken Ketten fest verankert am Meersboden. Doch auch hier konnte auch der beste Stahl nicht den Kräften des “Blanken Hans“ trotzen.


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